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Die Entwicklung des Frauenbergsteigens

Als Anfang des 19. Jahrhunderts der alpine Tourismus begann, setzte sich die Gruppe der Bergsteiger ausschließlich aus jungen aristokratischen Männern zusammen, die vor allem aus Großbritannien kamen, später auch aus andern Teilen Europas. Die wenigen Frauen die sich damals in die Berge wagten, waren heftiger Kritik ausgesetzt, da die Rolle der Frau im häuslichen Bereich und in er  Kinderaufzucht gesehen wurde. Dabei ging es einerseits um die Frage nach der Gesundheit, ob der „zarte weibliche Körper“ den Strapazen und Gefahren des Bergsteigens gewachsen sei und andererseits um die Veränderung des Körpers, ob dieser dann hässlich und vermännlicht wäre. Es waren freilich bergsteigende Männer, die Sorgen bezüglich eines „Weiblichkeitsverlustes“ äußerten: Frauen, die Berge besteigen, würden sich von femininen, reizvollen Wesen zu „Mannweibern“ und „wilden Bergweibern“ entwickeln.


Bild: Renate Nowack zeigt Lola Nowack

Eine weitere Schwierigkeit war die Kleidung: bodenlange Röcke und Korsett. Wenn man bedenkt, dass Frauen damit geklettert sind, sind ihre Leistungen wohl noch höher einzustufen. Eine von ihnen war Lucy Walker, die Mitte des 19. Jahrhunderts als erste Frau auf dem Matterhorn stand – mit bodenlangen Flanellrock! Das war allerdings nicht ungefährlich, denn mitunter verfing sich der Rock in den Felsen und die Kletterin stürzte ab. So wurde eine tödlich verunglückte Bergsteigerin in einem Kleid gefunden, das aus 40 Meter Stoff bestand und aufgrund von Nässe uns Eis fast 30 Kilo wog! Erst allmählich setzten sich die viel praktischeren Hosen durch, die anfangs für eine Frau als völlig unschicklich und skandalös galten.

Frauenbergsteigen galt als unschicklich und unsittlich, da oftmals in einfachsten Bergsteigerlagern auf Hütten oder im Biwak übernachtet werden musste, also abseits der gesellschaftlichen Kontrolle.

Dennoch war Bergsteigen für Frauen eine Möglichkeit der Enge des fremdbestimmten bürgerlichen Lebens zu entkommen. Diese Frauen waren meist gut gebildet und finanziell unabhängig, viele blieben unverheiratet.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden in Europa alpine Vereine gegründet. Der erste war 1857 der britische Alpine Club, zu dem Frauen nicht zugelassen wurden. Erst 50 Jahre später gründeten diese den Ladies Alpine Club. Auch der Schweizer Alpen Club war ein reiner Männerverein und ebenso kam es hier mit großer zeitlicher Verzögerung zur Gründung des Schweizer Frauenalpenclubs. Erst in den 1980er Jahren vereinigten sich die Männer- und Frauenvereine. Weitere reine Frauenvereine entstanden in Schottland, Wales und Italien. Der österreich-deutsche Alpenverein nahm zwar Frauen als Mitglieder auf (ebenso wie die Naturfreunde), allerdings war der Frauenanteil lange Zeit verschwindend klein. Manche deutsche Sektionen verwehrten Frauen die Mitgliedschaft und Anträge zu Gründung einer  „Damensektion“ wurden in Berlin abgelehnt. Die wenigen weiblichen Vereinsmitglieder waren meist „Anhängsel“ von männlichen Mitgliedern, allen voran Ehefrauen, aber auch Töchter oder Schwestern.

Interessant ist auch, dass auf den Vereinslisten über eine langen Zeitraum nur die Berufe der Männer aufgezeichnet wurden, die der Frauen aber nicht. Dabei gab es bei den bürgerlichen Frauen durchaus auch berufstätige.

Anders war die Situation im amerikanischen Alpin Club, wo Frauen von Anfang an aufgenommen wurden und ihr Anteil gleich einmal rund 20 Prozent ausmachte. Offensichtlich waren die Amerikanerinnen deutlich selbstbewusster!

Die alpinen Frauenvereine, anfangs aus der Not entstanden, bildeten eine gute Möglichkeit für Frauen ohne Männer zu klettern, in reinen Frauenseilschaften. Da waren sie nicht mit Abwertung und Sexismus konfrontiert und konnten sich dadurch freier und unabhängiger fühlen, was sich in erhöhtem Engagement zeigte.

Von Anbeginn an wurden Bergsteigerinnen von ihren männlichen Kollegen ausgegrenzt, abgewertet und lächerlich gemacht. Ihre bergsteigerischen Leistungen wurden nur in Ausnahmefällen anerkannt, ihre Namen häufig nicht dokumentiert und somit völlig vergessen.  Doch diese mutigen, selbstbewussten, emanzipierten Bergsteigerinnen zeigten durch ihr Vorbild, dass Frauen genauso in der Lage sind, Berge zu besteigen wie Männer und konnten dadurch andere Frauen für das Klettern und die damit verbundene Selbstbestimmtheit und Freiheit begeistern.

Mittlerweile hat sich Bergsteigen im Sommer wie im Winter zum Massensport entwickelt und Frauen bilden etwa die Hälft der Mitglieder in den alpinen Vereinen. Jedoch beim Höhenbergsteigen und im Profi-Alpinismus sind sie eine Minderheit. Bergsteigende Frauen, die auch Mütter sind, werden häufig mit dem Vorwurf konfrontiert, dass sie unverantwortlich sind. Denn wenn die Bergsteigerin verunglückt, verliert das Kind die Mutter. Dem bergsteigenden Vater hingen wird Verständnis für seine Leidenschaft entgegengebracht. Offensichtlich herrscht noch immer die Meinung, Väter sind für Kinder nicht wichtig. Mütter sind dann Rabenmütter, Väter Helden.

Es bleibt sehr zu hoffen, dass sich die Geschichte des (Frauen-)Bergsteigens vom männlich dominierten Alpinismus zu einem gemeinsamen Alpinismus entwickelt, dass rollenspezifische Klischees abgebaut werden, mit Unterschiedlichkeiten respektvoll umgegangen wird und eine Begegnung auf Augenhöhe stattfindet.

Quelle: Ingrid Runggaldier, Frauen im Aufstieg, Auf Spurensuche in der Alpingeschichte, Edition Raetia, Bozen 2011    
Sehr empfehlenswert!

Berglerin Renate Nowack
 

Fotos © Renate Nowack

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